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Neugestaltung Fußgängerzone Wunstorf

Wettbewerb: 2. Preis im freiraumplanerischen Wettbewerb | 2025


Die Neugestaltung der Wunstorfer Fußgängerzone entwickelt die bestehende Stadtstruktur weiter und schafft einen lebendigen Stadtraum, der Aufenthaltsqualität, Orientierung und Klimaresilienz in den Mittelpunkt stellt. Das Konzept knüpft an die historische Lage der Altstadt an, die geprägt war durch das klar erkennbare Kreuz aus Nord-, Süd- und Langer Straße, dessen Mittelpunkt der Marktplatz mit der Stadtkirche bildet. Der landschaftsarchitektonische Entwurf versteht sich zugleich als Bindeglied im städtischen Freiraumgefüge: Er vernetzt die Grünräume von Nord nach Süd – vom Bürgerpark bis zur Alten Südaue – und öffnet eine Ost-West-Verbindung vom westlichen Stadteingang bis hin zur Stiftskirche. Barrierefreie Gestaltung, grüne Inseln und ein harmonisches Zusammenspiel aus Bestandsgehölzen, neuen Materialien und urbaner Möblierung bilden die Grundlage für einen zukunftsfähigen und einladenden Stadtraum.

Auf die Plätze

Marktplatz

Der großzügige Marktplatz wird durch eine markante, organisch geformte Platzfläche aus einem kleinformatigerern Pflaster im Passeverband gefasst und erhält so eine starke räumliche Identität. Die offene Mitte bietet flexible Nutzungsflächen für Wochenmärkte, Stadtfeste und Veranstaltungen. Die bestehende Platane wird als identitätsstiftendes Element integriert: Eine großzügige, begrünte Baumscheibe mit umlaufender Sitzgelegenheit gleicht die Höhenlage aus und schafft einen attraktiven Treffpunkt. Durch den Wegfall bestehender Mauern und Treppen wird der Platz vollständig barrierefrei erlebbar. Drei hohe Mastleuchten mit variabel einstellbarer Lichtwirkung setzen den Raum in Szene und sorgen für eine flexible Nutzung bei Tag und Nacht. 

Ville de Flers Platz

Der Ville de Flers Platz ist geprägt von seinem reichen Baumbestand und einer bereits hohen Aufenthaltsqualität. Der Entwurf baut auf diesem Grünpotenzial auf und wertet den Platz durch gezielte Ergänzungen auf: neue Sitzgelegenheiten, behutsam integrierte Wegeführungen und eine Erneuerung der Unterpflanzung mit Rasenbereichen sowie Stauden- und Gräserflächen erhöhen die Aufenthaltsqualität, ohne den Charakter des bestehenden Baumdachs zu verändern.

Die Fußgängerzonen

Die Fußgängerzonen - Lange Straße, Südstraße und Nordstraße - werden durch ein System aus im Belag integrierten Bändern strukturiert, das Orientierung schafft und den Raum subtil gliedert. Diese Bänder beherbergen Stadtmobiliar wie Bänke, Fahrradbügel, Stadtinformationen, Trinkbrunnen und können auch noch zukünftiges Mobiliar und Einbauten aufnehmen. Bestandsbäume, werden durch neue Baumpflanzungen ergänzt.  Durch die Verschattung und durch große, begrünte Baumscheiben wird das Mikroklima verbessert und die Aufenthaltsqualität stark aufgewertet. Überspannende Beleuchtung sorgt für ein stimmungsvolles Ambiente. 

Der Platz am Kuhbrunnen bildet einen zusätzlichen Anziehungspunkt und wird durch den Belagswechsel optisch hervorgehoben. Der bestehende Brunnen wird in die Fläche integriert und lädt durch die gemuldete Platzfläche zum Begehen und Bespielen ein. Die markanten Entrees im Norden, Süden, Osten und Westen markieren das Ankommen durch kleine Platzflächen, die sich im Belag und in der Baumsetzung abheben.

 

An allen Entrees befinden sich gebündelt Fahrradstellplätze und Stadtinformationen. Nach Osten entsteht eine wichtige, neu geordnete Verbindung zur Stiftskirche: Durch die Verlegung der Tiefgaragenzufahrt können großzügige „Kirchterrassen“ geschaffen werden, die eine klare Beziehung zwischen Stadtraum und Kirche herstellen und neue Blickachsen eröffnen. 

Das taktile Leitsystem wird sowohl über offene Rinnen als auch ergänzend über gefräste Strecken geführt, um die barrierefreie Orientierung zu unterstützen. Von der Südstraße aus wird ein barrierefreier Zugang zur Alten Südaue mit hoher Aufenthaltsqualität – den „Terrassen an der Südaue“ – geschaffen. Des Weiteren wird durch die vorgeschlagene Öffnung des Gewässers östlich der Fußgängerzone die Durchgängigkeit des Flussraums erlebbar und kann durch einen übergeordneten Fußweg neu erlebt werden.

Material und Ausstattung

Die Materialwahl folgt dem Ziel einer langlebigen, stimmigen und pflegeleichten Gestaltung. Die Möblierung orientiert sich an einer klaren, ruhigen Designsprache. Sitzbänke aus Holz und Stahl – linear entlang der Bodenbänder oder rund um Baumstandorte – schaffen vielfältige Aufenthaltsmöglichkeiten. Abfallbehälter, Trinkbrunnen und Fahrradständer sind in Material und Farbigkeit aufeinander abgestimmt und sorgen für ein geordnetes Stadtbild. Pendelleuchten überspannen die Straßen, Mastleuchten mit mehreren, individuell einstellbaren Leuchtenköpfen inszenieren den Platz.

Der Bodenbelag der Fußgängerzonen besteht aus Granitpflasterplatten, gesägt und gestockt, im Steinformat ca. 25×50cm, 37,5×25cm und 25×25cm bei 12 cm Stärke. Der Marktplatz sowie kleinere Platzsituationen – wie am Kuhbrunnen – werden mit Granitpflaster, gesägt, gestockt, bruchrauhe Kanten im Steinformat (zw. 7cm und 15 cm Kantenlänge) im Passeverband ausgeführt. Die Rinne um den Marktplatz ist als offene, dreizeilige Pflasterrinne (ca.10×10 cm) ausgebildet, die zugleich als taktiles Leitsystem dient. Auch die übrigen Straßenrinnen fungieren als taktiles Leitsystem; in Bereichen ohne Rinnen werden gefräste Steine im Granitbelag ergänzt, um die Barrierefreiheit zu gewährleisten.

Vegetation und Nachhaltigkeit

Bestandsgehölze werden erhalten und durch zusätzliche klimaresiliente Bäume ergänzt. Die Gleditschien sorgen für lockeren, lichten Schatten und sind zugleich hitze- und staunässeverträglich. Großzügige, begrünte Baumscheiben (Verdunstungsbeete) mit mehrjährigen, artenreichen Stauden und Gräsern verbessern das Mikroklima, fördern die Biodiversität und bieten jahreszeitlich wechselnde Blühaspekte. Sie tragen zur Kühlung der umgebenden Flächen bei. 

Wasserresiliente Stadtplanung

Das Entwässerungssystem folgt einer klaren, gestalterisch integrierten Struktur. Regenwasserrinnen verlaufen gebäudeparallel, die Flächen haben ein leichtes Gefälle von den Fassaden weg, der mittlere Bereich ist bei breiteren Querschnitten als Dachgefälle ausgeführt. Im Bereich der Gehölze sind Verdunstungsbeete angeordnet, die das Regenwasser aufnehmen, speichern und kontrolliert an die Umgebung abgeben. Sie tragen zur Kühlung des Stadtraums bei, fördern das Mikroklima und versorgen die Vegetation. Größere Grünflächen dienen zusätzlich der Regenwasseraufnahme und erhöhen die Retention. Die bestehenden Brunnen – Kuhbrunnen, Brunnen am Ville-de-Flers-Platz und Rundbrunnen – bleiben erhalten und werden atmosphärisch in die Gestaltung eingebunden, sodass Wasser als erlebbares Element präsent bleibt.

Bauphasenplanung und Marktorganisation

Während der Bauphasen bleibt der Wochenmarkt als wichtiger Bestandteil des Stadtlebens erhalten. Je nach Baufortschritt werden die Marktstände in fertiggestellte oder angrenzende Bereiche verlegt, sodass Handel und Besucherverkehr ungestört weiterlaufen. Provisorische Wegeführungen, die bestehenden Schleichwege, sichere Querungen und temporäre Versorgungsinseln sichern den Betrieb in allen Phasen.

Der Entwurf verbindet städtebauliche Klarheit mit einer hohen Aufenthaltsqualität und einem konsequenten Fokus auf Klimaresilienz und Barrierefreiheit. Markante Platzräume, grüne Inseln und klare Wegebeziehungen schaffen ein urbanes Gefüge, das Tradition und Moderne harmonisch vereint. Die neuen Stadträume laden zum Flanieren, Begegnen und Erleben ein und bieten gleichzeitig ökologische Mehrwerte, die Wunstorf nachhaltig stärken.